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Autoren

Dipl.-Ing. Astrid Artner-Nehls, ZALF

Dr. Hans-Peter Ende, ZALF

Dr. Rosemarie Sieber, ZALF

Der aktuelle Forschungsreport

Wandern durch digitale Wälder

Wald ausgerechnet!

Wird ein wiederaufzuforstendes Stück Wald zukünftigen Anforderungen gerecht? Wie muss ein solcher Wald aussehen? Anders als die Fruchtfolgeplanung einer Ackerfläche macht der Planungshorizont eines Waldes schnell mehrere Jahrzehnte aus.


Als am 18. Januar 2007 der Orkan Kyrill mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 225 km/h über Deutschland hinweg fegte, fällten seine Böen gewaltige Bäume und hinterließen Flächen, die zuvor mit Bäumen bestanden waren, im hölzernen Durcheinander – gleich einem frisch ausgespielten Mikado.

In der Ruhe nach dem Sturm, nachdem das gröbste Chaos beseitigt und alles Brauchbare verwertet worden war, wurde der akute Handlungsdruck spürbar. Es stellte sich die Frage: Was nun? Weiter wie bisher? Die Flächen der Natur überlassen oder eine komplett neue Bewirtschaftung anstreben? Manch einer zuckte resigniert mit den Schultern: „Solche Extremereignisse können wir Menschen ohnehin nicht beeinflussen!“

Das kam für die Verantwortlichen einer 16 Hektar große Fläche der Stiftung Schorfheide-Chorin im Landkreis Barnim an der Grenze zur Uckermark nicht in Frage. Ihnen war klar: Bei der Um- und Neugestaltung ihrer Flächen sollte darauf geachtet werden, dass die Bestände weniger anfällig sind und in Zukunft ein geringeres Risiko besteht, solche Totalausfälle auch nach extremen Wetterereignissen zu erleben. Die Herausforderung war groß, der Handlungsspielraum enorm: Nur in den seltensten Fällen stehen Forstwirte vor der Aufgabe, ein Waldgebiet komplett neu zu gestalten. Wie eine solche Aufgabe zu bewältigen ist, darüber besteht dank Forschung und Praxis ein großes Wissen.

Wünsch dir was: Wald der Zukunft

Die Anforderungen an Waldflächen in der Landschaft sind in den letzten Jahrzehnten enorm gestiegen: Den meisten Bürgerinnen und Bürgern ist ein ökologisch ausgewogener Baumbestand wichtig. Wald soll außerdem ästhetisch attraktiv sein, zur Freizeitgestaltung genutzt werden können und vielfältige Schutzfunktionen bieten: Trinkwasserschutz, Lärmschutz, Erosionsschutz und nicht zuletzt Naturschutz, damit sich nicht nur Fuchs und Hase auch morgen noch Gute Nacht sagen können und der Waldbach auch im nächsten Jahr noch möglichst viele Pflanzenarten ernährt. Neben diesen ästhetischen und ökologischen Fragen spielt aber auch die Wirtschaftlichkeit des Waldes eine große Rolle. Wer Wald besitzt, hat laufende Kosten und muss immer wieder investieren. Nur mit dem Verkauf von gutem Holz, das den Anforderungen der Käufer entspricht, kann ein Forstbetrieb „rote Zahlen“ vermeiden, sonst wird der Waldbesitz schnell zu einem „teuren Hobby“.

Im Idealfall können die Forstwirte aus diesen vielfältigen Erwartungen der unterschiedlichen Nutzergruppen ein Leitbild stricken, das für ein Waldgebiet gelten soll. Dafür müssen sich die Vertreter der unterschiedlichen Nutzergruppen aber untereinander verständigen. Es muss oftmals ein Kompromiss ausgehandelt und die Interessen gegenseitig ausgeglichen werden. Das ist nicht in einer einmaligen Gesprächsrunde zu klären – hier bedarf es eines Prozesses, um zunächst eine gemeinsame sprachliche Grundlage zu finden.

Ein Wald ist kein Weizenfeld

Wenn es darum geht, Visionen zur Zukunft unseres Lebensraumes zu entwickeln, sollten die unterschiedlichen Nutzer- und Bevölkerungsgruppen in einem demokratischen Prozess daran beteiligt sein. Das gilt auch für den Wald, der gerade in Deutschland kulturell einen besonders hohen Stellenwert hat. Entscheidungen über die Art der Anpflanzungen zeigen ihre volle Wirkung nicht gleich morgen. Anders als bei der Fruchtfolgeplanung einer Ackerfläche kann der Planungshorizont bei einem Wald leicht mehrere Jahrzehnte ausmachen.

Viele Ziele der Entwicklung von forstwirtschaftlich geprägten Landschaften berühren direkt oder indirekt visuelle bzw. ästhetische Aspekte. Wer heute die Wirkungen forstwirtschaftlicher Maßnahmen auf das Landschaftsbild in den Entscheidungsprozess einbinden möchte, und den Nutzern ganz konkret ein Bild davon geben möchte, wie die umgesetzten Ideen im Jahr 2050 aussehen – der benötigt eine Darstellung, die eine sachgerechte Einschätzung und eine Vergleichbarkeit bieten. Oftmals ist es für die Beteiligten nicht einfach, sich den Wald vorzustellen, der dem möglichen Leitbild entspricht. Wissenschaft und Forschung haben sich dieser Herausforderungen angenommen und Prozesse und Tools entwickelt, genau das zu visualisieren.