Warum Gewürzpflanzen dem Tierfutter zugesetzt werden
Wozu werden Kräuter und ätherische Öle in der Tierernährung eingesetzt? Können Sie eine Alternative zu Antibiotika sein?
Unter der Federführung des Institutes für Pflanzenbiologie der Technischen Universität Braunschweig, dem Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde des JKI und dem Institut für Tierernährung des FLI wollen Wissenschaftler pflanzliche Leistungsförderer aus Gewürz- und Arzneipflanzen entwickeln und testen. Im Teilprojekt des FLI soll das große, bislang weitgehend ungenutzte Potential von Arznei- und Gewürzpflanzen mit besonderen Inhaltsstoffen für die Tierhaltung aufgezeigt werden.
In der Vergangenheit wurden dem Tierfutter in der Nutztierhaltung regelmäßig Antibiotika als Leistungsförderer prophylaktisch zugesetzt. Aufgrund immer häufiger auftretender Antibiotika- Resistenzen wurde deren prophylaktischer Einsatz gesetzlich verboten.
Als Alternative werden inzwischen so genannte phytogene Futterzusatzstoffe angeboten. Dabei geht man davon aus, dass bestimmte pflanzliche Naturstoffe ebenfalls eine positive und auf den allgemeinen Gesundheitszustand der Nutztiere förderliche Wirkung entfalten. Die wissenschaftlichen Grundlagen sind bislang jedoch nicht ausreichend belegt und viele Ergebnisse sind nicht eindeutig interpretierbar. Außerdem fehlen in den vorliegenden Studien meist Daten zum tatsächlichen Wirkstoffgehalt und zur Wirkstoffzusammensetzung, die jedoch unverzichtbar für eine objektive Interpretation der Ergebnisse im Tierversuch sind.
Die Pflanzen, die im Teilprojekt „Stressinduzierte Steigerung der Produktqualität von Gewürz- und Arzneipflanzen“ der Uni Braunschweig und des JKI ausgewählt und bearbeitet wurden, sollen hier als phytogene Futterzusatzstoffe eingesetzt und hinsichtlich ihrer Wirkungen auf Leistungsmerkmale und Parameter der Tiergesundheit wissenschaftlich untersucht werden. Hierbei kommt sowohl der Bestimmung der tiergesundheitlichen Parameter, als auch der Wirkstoff-Analyse eine zentrale Bedeutung zu.
Seit dem Altertum werden ganze Pflanzen oder Pflanzenteile in der menschlichen Nahrung als Gewürze eingesetzt. Darüber hinaus kommen viele Pflanzen, Pflanzenteile oder deren Extrakte aufgrund ihrer heilenden Wirkung, vor allem in der Human-, aber auch in jüngerer Zeit wieder zunehmend in der Tiermedizin, zum Einsatz. Ihre Inhaltsstoffe sind vielfältig und den unterschiedlichsten chemischen Gruppen zuzuordnen
- ätherische Öle,
- Senfölverbindungen,
- Gerbsäuren,
- Phenole und viele andere.
Daher sind ihre für die Nutztierernährung möglicherweise positiven Wirkungen – vor allem zur Gesundheitsstabilisierung in der Jungtieraufzucht sowie Leistungssteigerungen in Mast und Zucht - ebenso vielseitig. Es ist davon auszugehen, dass
- sie den Appetit anregen,
- die Mikroflora des Verdauungstraktes beeinflussen,
- die Sekretion von Verdauungssäften fördern,
- sie antioxidativ und stimulierend auf das Immunsystem wirken können
Die Gründe für einen Einsatz von pflanzlichen Futterzusätzen liegen, wie auch für viele andere Zusatzstoffe, in einer Verbesserung der Leistung und einer Stabilisierung der Tiergesundheit, der Senkung von tierischen Ausscheidungen zum Schutze der Umwelt sowie letztendlich in einer effektiveren Umwandlung der Futterinhaltsstoffe in essbare Lebensmittel tierischer Herkunft und auch in einer Kosten sparenden Tierproduktion.
Die Wirksamkeit der phytogenen Futterzusatzstoffe soll vornehmlich in Versuchen mit Ferkeln und Sauen untersucht werden. Im ersten Projektabschnitt wird zunächst die Schwankungsbreite der bioaktiven Wirkstoffe einiger der im Handel erhältlichen Pflanzenmaterialien analysiert und deren Wirksamkeit in Fütterungsversuchen bei Absetzferkeln im Lebendmasseabschnitt von etwa 7 Kilogramm bis 22 Kilogramm über jeweils fünf Wochen untersucht.
Im zweiten Abschnitt sollen dann getrockneten Drogen vermahlen, gegebenenfalls verkapselt und in Dosis-Wirkungsversuchen verfüttert werden. Um Hydrolysen labiler Inhaltsstoffe zu unterbinden, ist vorgesehen, entsprechendes Pflanzenmaterial durch Mikroverkapselung aufzubereiten. Neben Einzelpräparaten ist auch eine Kombination der verschiedenen Heilpflanzen (Thymian, Salbei, Mädesüß, Johanniskraut, Meerrettich, Kapuzinerkresse, Weide) vorgesehen, um positive Synergie-Effekte nutzen zu können.


