Woher kommen unsere Hühner?
Wer legt unsere Frühstückseier? Wie viel biologische Vielfalt gibt es noch bei unseren heutigen Haushühnern? Sind die Rassen und Linien verschiedener Herkunft genetisch abgrenzbar?
Beim Haushuhn wie auch bei anderen Nutztierarten spiegelt das breite Spektrum an Rassen und Schlägen die Vielfalt wider, die sich während der Domestikation entwickelt hat. Während sich im privaten Bereich eine große Anzahl von Liebhabern hobbymäßig der Rassegeflügelzucht widmet, hat sich die kommerzielle Hühnerzucht in den letzten Jahrzehnten auf wenige Unternehmen verdichtet, die hoch spezialisierte Linien der Mast- und Legerichtung züchten. Diese Zuchtprodukte haben aufgrund ihres hohen Leistungsniveaus schnell eine weltweite Verbreitung gefunden und leistungsschwächere Rassen aus der Nutzung verdrängt. Das Aussterben von Rassen bedeutet jedoch einen Verlust an genetischer Vielfalt. Wie hoch dieser Verlust ist, hängt davon ab, wie eng verwandt die verdrängten Rassen mit anderen, noch existenten Rassen sind und wie viel Gemeinsames sie mit den wirtschaftlich genutzten Linien aufweisen.
Vor diesem Hintergrund befasst sich das Institut für Nutztiergenetik am FLI mit Aspekten der Domestikation, der Rassenvielfalt und der Charakterisierung genetischer Unterschiede beim Haushuhn mit neuesten molekulargenetischen Methoden. Die in diese Untersuchungen einbezogenen Populationen umfassten zahlreiche lokale Hühnerrassen Europas, Asiens und Afrikas. Als Referenz wurden außerdem Linien aus der Wirtschaftsgeflügelzucht sowie zwei Unterarten des Roten Kammhuhns einbezogen.
Die heutigen Haushühner lassen sich im Wesentlichen auf das Rote Kammhuhn (Gallus gallus) mit seinen fünf Unterarten zurückführen. Neue Arbeiten deuten darauf hin, dass es zu Kreuzungen zwischen Gallus-Arten gekommen sein könnte und möglicherweise auch das Sonnerat-Huhn (Gallus sonneratii) zur Entwicklung unserer Haushühner beigetragen hat. Ausgehend von den Domestikationszentren in Südostasien haben sich Hühner nach China, Persien und Ägypten ausgebreitet. Erste Hinweise auf Hühner im Mittelmeerraum stammen aus dem 8.–6. Jahrhundert vor Christus. Mit den Römern erfolgte eine weitere Ausbreitung nach Nordeuropa. Nach 1900 setzte eine nahezu vollständige Trennung zwischen der Wirtschafts- und Rassegeflügelzucht ein. Beim Wirtschaftsgeflügel konzentrierte sich die Zuchtarbeit auf einige spezialisierte Unternehmen, die wenige, aber enorm leistungsstarke Linien herausbildeten. Während um 1900 noch etwa 40 Rassen allein in den Geflügelzuchtstationen Deutschlands registriert waren, beschränken sich heutige Zuchtlinien weltweit auf einige wenige Ausgangsrassen. Alle wirtschaftlich genutzten Hühner, deren Eier eine weiße Schalenfarbe haben, gehen auf eine einzige Rasse zurück – das Weiße Leghorn.
Bei Hühnern der braunschaligen Legerichtung sowie bei Mastgeflügel ist die Situation ähnlich, wenn auch deren Ausgangspool aus mehr als einer Rasse besteht. Ein großer Teil der wirtschaftlich verdrängten Hühnerrassen wird bis heute von Hobbyzüchtern gepflegt. Folglich ist der Genpool der Haushühner einerseits in Rassen unterschiedlicher Regionen und Kontinente getrennt, andererseits in wirtschaftlich genutzte Linien und in lokale Rassen oder Hobbyzuchten. Mit Ausnahme des Leistungsniveaus ist bisher wenig über die genetischen Unterschiede zwischen diesen Gruppen bekannt.
Gegenwärtig gibt es international intensive Bemühungen, die vorhandenen umfangreichen Informationen auf der molekularen Ebene aus verschiedenen Arbeiten zusammenzuführen, um die noch offenen Fragen der Abstammungsgeschichte des Haushuhnes weiter abzuklären.


