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Wer Düfte manipuliert, kommt weiter.

Der Sommerapfelblattsauger, Cacopsylla picta, überträgt Phytoplasmen und infiziert so die Apfelbäume [Quelle: Christoph Mayer, JKI]

Der Sommerapfelblattsauger, Cacopsylla picta, überträgt Phytoplasmen und infiziert so die Apfelbäume [Quelle: Christoph Mayer, JKI]

Die Manipulation und das Anlocken durch bestimmte Geruchsstoffe scheint ein alter Hut aus der Trickkiste der Natur zu sein. Dennoch verblüfft die Taktik des Krankheitserregers der Apfeltriebsucht, einem Bakterium ohne Zellwand (Phytoplasma).

Er ändert den Duft von Apfelbäumen, lockt damit eine bestimmte Insektenart an und kann sich auf diese Weise weiter verbreiten. Phytoplasmen allein können keine Pflanzen infizieren. Sie sind auf Insekten als Transportmittel angewiesen. Wie Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Dossenheim nun herausgefunden haben, manipuliert der Erreger der Apfeltriebsucht den Geruch der infizierten Apfelbäume, um auf diese Weise eine ganz bestimmte Insektenart anzulocken. In Deutschland kann nur der Sommerapfelblattsauger, Cacopsylla picta, das Bakterium übertragen und verbreiten.

 „Im Verlauf der Evolution hat sich eine sehr spezielle Interaktion zwischen dem Apfeltriebsucht-Phytoplasma, seinem Wirt (dem Apfel) und seinem Überträger herausgebildet“, sagt Dr. Jürgen Gross. Der Wissenschaftler vom Julius Kühn-Institut arbeitet mit seiner Arbeitsgruppe schon länger an Phytoplasmen, die die Apfeltriebsucht auslösen, und an deren Infektionswegen. So konnte er bereits 2005 zeigen, dass der Sommerapfelblattsauger auf bestimmte chemische Signale der Apfelbäume reagiert. „Dass die Phytoplasmen den Geruch der von ihnen infizierten Apfelbäume dahingehend ändern, dass sie attraktiver für bestimmte Stadien der Blattsauger werden, haben wir erst kürzlich nachgewiesen“, so Gross.

Gaschromatographische Analysen der von den Apfelbäumen abgegebenen Duftstoffe ergaben, dass nur bei den mit Phytoplasmen infizierten Bäumen verstärkt beta-Caryophyllen gebildet wurde. Sommerapfelblattsauger mögen diesen Geruch und fliegen infizierte Apfelbäume deshalb bevorzugt an. Damit hat das Bakterium sein Ziel erreicht. Es hat sich ein geeignetes Taxi gerufen, das ihn zum nächsten Apfelbaum bringen wird.

„Jetzt, da wir bereits einige der Geruchspräferenzen der Überträgerinsekten kennen, können wir uns dieses Wissen zu Nutze machen, um zukünftig der Ausbreitung der Apfeltriebsucht vorzubeugen“, erläutert Gross. Er und seine Mitarbeiter wollen nun neue Bekämpfungsstrategien entwickeln, und beispielsweise die Blattsauger mittels Geruchsfallen abfangen oder mittels abschreckender Stoffe von den Apfelbäumen fernhalten.

Zusatzinformationen

Julius Kühn-Institut (JKI)
Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Erwin-Baur-Str. 27
06484 Quedlinburg
Tel.: 03946 47-0
Fax: 03946 47-209
E-Mail: poststelle@jki.bund.de
Internet: http://www.jki.bund.de/

 

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