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Gesunde und produktive Wälder verringern den Klimawandel

Gesunde und produktive Wälder können den Klimawandel verringern. (Foto: M. Welling)

Gesunde und produktive Wälder können den Klimawandel verringern. (Foto: M. Welling)

Nur gesunde und produktive Wälder wirken dem Klimawandel entgegen. Dies ist eine der Kernaussagen auf dem internationalen Kongress "Waldökosysteme in einer sich wandelnden Umwelt", der vom 11.-14. März 2008 in Istanbul stattfand und an dem über 150 Wissenschaftler aus 30 Ländern teilnahmen. Die versammelten Experten waren sich darüber einig, dass verstärkte und gemeinsame Anstrengungen nötig sind, um die kombinierten Effekte von Schadstoffeinträgen aus der Luft und des Klimawandels auf Wälder zu erforschen.

Organisiert wurde der dreitätige Kongress vom Institut für Weltforstwirtschaft des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) zusammen mit dem türkischen Umwelt- und Forstministerium und Einrichtungen der EU. Ziel war es unter anderem, im internationalen Rahmen Strategien zu entwickeln, wie sich die Wälder an die sich ändernden Klimabedingungen anpassen können. Denn gesunde Wälder haben das Potenzial, einen Beitrag zur Abschwächung des Klimawandels zu leisten.

Die Wälder in Europa kompensieren derzeit rund 10 Prozent der europäischen CO2-Emissionen und schwächen dadurch den Treibhauseffekt ab. Andererseits beeinflusst der Klimawandel die Wälder, entweder direkt durch den Temperaturanstieg und Extremereignisse, wie Trockenheit oder Stürme, oder indirekt durch Veränderungen im Auftreten von Krankheitserregern und Insekten. Die bereits zu beobachtenden Extremereignisse und besonders die vorhergesagten Klimaszenarien sind eine Herausforderung für die nachhaltige Waldbewirtschaftung, die sich auch in Zukunft auf verlässliche Monitoring- und Forschungsergebnisse stützen muss.

Die Wälder in Europa kompensieren rund 10 Prozent der europäischen Kohlendioxid-Emissionen. (Foto: vTI)

Die Wälder in Europa kompensieren rund 10 Prozent der europäischen Kohlendioxid-Emissionen. (Foto: vTI)

Nach wie vor destabilisieren zu hohe Stickstoffeinträge die Wälder. Auf zwei Dritteln von 186 ausgewerteten Dauerbeobachtungsflächen wurden kritische Eintragsraten überschritten. Zu hohe Einträge werden vor allem in weiten Teilen Zentraleuropas gemessen. Sie sind auf vielen Standorten die Ursache für Bodenversauerung und können die Auswaschung wichtiger Nährelemente aus den Böden bewirken. Kurzfristig sind jedoch auch positive Effekte zu beobachten. Aktuelle Auswertungen haben gezeigt, dass die Stickstoffeinträge zu verstärktem Zuwachs der Waldbäume führen. Dadurch wird verstärkt Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufgenommen. Es besteht jedoch eine große Unsicherheit über die Größenordnung dieses zusätzlich aufgenommenen Kohlenstoffes.

Die in Istanbul tagenden Experten befürchten, dass sich die Umweltbedingungen künftig voraussichtlich noch schneller als bisher verändern werden. Daher müsse die forstliche Umweltbeobachtung fortgeführt und weiterentwickelt werden. Die weitere Finanzierung der bestehenden Monitoringnetzwerke auf EU-Ebene und in einzelnen Staaten sei dringend zu sichern.

Der Waldzustand wird gegenwärtig an mehreren Tausend Beobachtungspunkten in ganz Europa erfasst, unter anderem auch von Forstwissenschaftlern des Johann Heinrich von Thünen-Instituts. Dazu dienen harmonisierte Methoden, die unter der Genfer Luftreinhaltekonvention der UNECE und von der EU entwickelt wurden. Um die Vitalität der Waldökosysteme und deren Entwicklung besser verstehen zu können, muss weiterhin der kontinuierliche Betrieb einiger hundert aufwändiger Beobachtungsflächen sichergestellt werden. Diese Flächen liefern die nötigen Zeitreihen und Messergebnisse zu vielfältigen Umweltparametern.

Die Umweltbeobachtung und die Waldschadensforschung haben in der Vergangenheit bereits zu Erfolgen der Luftreinhaltepolitik der UNECE und der EU beigetragen. Die Abnahme der Schwefeleinträge und eine verringerte Versauerung von Böden und ganzen Wassereinzugsgebieten sind Beispiele für diese Erfolge. Heute sind die vorhandenen Daten eine der wichtigsten Grundlagen für forstliche Klimamodelle und die entsprechende Forschung.

Hintergrund

Forstwissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts sind in Netzwerke zur Überwachung des Waldzustands in Europa eingebunden. (Foto: vTI)

Forstwissenschaftler des Johann Heinrich von Thünen-Instituts sind in Netzwerke zur Überwachung des Waldzustands in Europa eingebunden. (Foto: vTI)

Der Kongress „Forest ecosystems in a changing environment: identifying future monitoring and research needs“ fand vom 11.-14. März 2008 in Istanbul statt. Die Organisatoren waren das Institut für Weltforstwirtschaft des Johann Heinrich von Thünen-Instituts in Hamburg, das Türkische Umwelt- und Forstministerium, die Internationale Union der Waldforschungseinrichtungen (IUFRO), die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission und die Europäische Umweltagentur. Der Kongress wurde von COST ko-finanziert.

Die Konferenzhomepage befindet sich unter www.costforest2008.org

Zusatzinformationen

Weitere Informationen

Konferenzhomepage: www.costforest2008.org

Institut für Weltforstwirtschaft

Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI)
Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Bundesallee 50
38116 Braunschweig
Tel.: 0531 596-0
Fax: 0531 596-1099
E-Mail: info@vti.bund.de
Internet: http://www.vti.bund.de

 

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