Nachhaltige Land-, Gartenbau-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft; Erschließung des Potenzials nachwachsender Rohstoffe
Hauptziel 2
Die nachhaltige Entwicklung ist ein zentrales Ziel der Bundesregierung. Die Forschung soll für die Sektoren Land-, Gartenbau-, Weinbau-, Forst-, Holz-, Fischerei- (einschließlich Aquakultur) und Ernährungswirtschaft Fragestellungen zur ökologischen, ökonomischen und sozialen Dimension der Nachhaltigkeit im nationalen sowie im internationalen Maßstab bearbeiten. Die Forschung dient der Stärkung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise auch bei der Steigerung der Produktion und der Produktivität in den genannten Sektoren. Sie leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des konventionellen wie des ökologischen Landbaus. Der Gartenbau schließt auch das Grün im Siedlungsbereich (urbanes Grün) ein.
Thematische Segmente der Forschung für Nachhaltigkeit sind z. B. der Natur- und Kulturlandschaftsschutz, die Luftreinhaltung, die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die nachhaltige Nutzung von Böden, Binnengewässern und Meeren, die Steigerung des Leistungspotenzials der Kulturpflanzen und der Nutztiere, die Prävention von Schadorganismen der Pflanzen, der nachhaltige Pflanzenschutz, Markt- und Wettbewerbsanalysen sowie soziale Fragen und der Arbeitsschutz. Der Forschung für die Prävention und Bekämpfung von Tierkrankheiten und Tierseuchen kommt gerade unter Nachhaltigkeitsaspekten eine besondere Bedeutung zu. Die Bekämpfung von Zoonosen, d.h. von Tierkrankheiten, die auf den Menschen übergehen können, ist unter dem Aspekt des gesundheitlichen Verbraucherschutzes bei Hauptziel 5 angesiedelt.
Ein Teil der Forschung für die Nachhaltigkeit zielt speziell auf Innovationen zur Verbesserung der Ressourcen- und Energieeffizienz ab.
Zur Sicherung der Rohstoff- und Energieversorgung Deutschlands sind die dafür vorhandenen Potenziale an Biomasse zu ermitteln und zu erschließen, die Nachhaltigkeit der Erzeugung nachwachsender Rohstoffe für die stoffliche und energetische Nutzung zu sichern und die ökonomischen Einflussfaktoren und Effekte ‑ auch auf den Lebensmittelmarkt ‑ zu bewerten.
Hauptziel 2 weist enge Bezüge zu den Hauptzielen 4 (Klima) und 6 (Produkt- und Prozessqualität) auf.
Die Hauptaufgaben im Einzelnen:
- Evaluierung und Erhaltung genetischer Ressourcen der Land-, Gartenbau-, Weinbau-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft sowie Untersuchung pflanzengenetischer und tiergenetischer Ressourcen auf ihre agronomische und züchterische Eignung.
- Untersuchungen zur Erfassung, Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt in Agrarökosystemen, Wäldern, Binnengewässern und Meeren.
- Züchtungsforschung einschließlich Entwicklung und Bewertung von Züchtungsmethoden zur Verbesserung der Nachhaltigkeit der Agrarproduktion, insbesondere zur Verbesserung der Qualität pflanzlicher Erzeugnisse, der Widerstandsfähigkeit gegen biotische und abiotische Schadursachen, des Nährstoffaufnahmevermögens und der Leistungsfähigkeit sowie der genetischen Vielfalt der Kulturpflanzen.
- Bewertung genetisch bedingter Eigenschaften von Pflanzensorten und Weiterentwicklung von Verfahren zur genotypischen Unterscheidung von Pflanzensorten sowie Erarbeitung von phänotypischen Kriterien, die den Züchtungsfortschritt an agrar- und gartenbaulich relevanten Kulturen beschreiben.
- Züchtung qualitativ hochwertiger und klimatisch angepasster Reb- und Obstsorten mit hoher Widerstandsfähigkeit gegen biotische und abiotische Schadursachen.
- Weiterentwicklung von umweltverträglichen, sozialgerechten und wirtschaftlich tragfähigen Produktions- sowie Lagerungs-, Be- und Verarbeitungsverfahren der Erzeugnisse der Land-, Gartenbau-, Forstwirtschaft und Fischerei.
- Risiko- und Sicherheitsforschung zu gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und deren Freisetzung einschl. Erarbeitung von Konzepten und Strategien für das Monitoring von GVO sowie Forschung zur Sicherung der Koexistenz landwirtschaftlicher Produktionssysteme mit und ohne Einsatz von GVO.
- Untersuchungen und Bewertungen zu Auswirkungen invasiver gebietsfremder Arten.
- Risikobasierte phytosanitäre Forschung und Bewertung von Schadorganismen an Pflanzen und Pflanzenerzeugnissen sowie Entwicklung von Szenarien als Grundlage für künftige Managemententscheidungen und Weiterentwicklung von Konzepten zu Monitoringverfahren und deren Durchführung.
- Untersuchungen und Bewertungen zu Auswirkungen der Anwendung agrarrelevanter Stoffe (z. B. Pflanzenschutzmittel, Tierarzneimittel, Düngemittel) auf die Umwelt.
- Erfassung und Bewertung des Waldes nach Zustand und Funktionen sowie Untersuchungen von Belastungen und deren Wirkungen und Erarbeitung von Prognosen einschließlich Modellentwicklung als wissenschaftliche Grundlage für internationale Prozesse.
- Untersuchungen zur Weiterentwicklung der ordnungsgemäßen, nachhaltigen und naturnahen Forstwirtschaft, einschließlich forstlichem Vermehrungsgut.
- Untersuchungen zur Dynamik und zum Management von Wildtierpopulationen, einschließlich Jagd.
- Untersuchungen zur Biologie, Diagnose und Prognose von Schadorganismen sowie zu abiotischen Schäden an Pflanzen und Pflanzenerzeugnissen sowie bei Nahrungsmitteln, Futtermitteln, Nachwachsenden Rohstoffen und Holz.
- Untersuchungen zur Prävention und Bekämpfung von Tierkrankheiten sowie den wirtschaftlichen Folgen von Tierseuchen.
- Untersuchungen zur Reduktion von Risiken, die durch die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Pflanzenschutzverfahren für Mensch, Tier und Naturhaushalt entstehen können.
- Ermittlung, Bewertung und Folgenabschätzung der Wirkung unterschiedlicher Produktionssysteme der Land-, Gartenbau-, Forst-, Holz-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit, einschließlich Untersuchungen zur Ökobilanzierung und Umweltökonomie, zur Optimierung von Kreislaufwirtschaft und Abfallmanagement sowie zur Ressourceneffizienz.
- Entwicklung bzw. Weiterentwicklung von Strategien zur Verbesserung der Produktionsverfahren ‑ auch hinsichtlich veränderter Klimabedingungen bzw. Schonung von Bodenressourcen ‑ für die gute landwirtschaftliche Praxis im konventionellen Agrarbereich, im Ökolandbau und in der Aquakultur.
- Untersuchungen zum Schutz von Binnengewässer-Ökosystemen und zur nachhaltigen Nutzung aquatischer Ressourcen der Binnengewässer.
- Untersuchungen und Überwachung (Monitoring) zum Schutz maritimer Ökosysteme und zur nachhaltigen Bewirtschaftung lebender Meeresressourcen.
- Erfassung und Beurteilung der Belastung mariner Organismen durch Schadstoffe und deren biologische Effekte; Radioaktivitätsüberwachung in Biota.
- Entwicklung bzw. Weiterentwicklung von Strategien und Bewertungsverfahren zur integrierten chemischen und biologischen Überwachung aquatischer Ökosysteme.
- Untersuchungen des Zusammenwirkens zwischen Erzeugung, Verarbeitung, Handel und Verbrauchern auf den nationalen, EU-weiten und internationalen Märkten auch zur Verbesserung der Marktstellung und des Informationsangebotes der deutschen Erzeuger.
- Nationale und internationale, makro- und mikroökonomische Wettbewerbsanalysen der Land-, Gartenbau-, Forst-, Holz-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft einschließlich nachwachsender Rohstoffe und Erzeugnisse des ökologischen Landbaus.
- Untersuchungen zur Wirksamkeit, Zielgenauigkeit und zu Begleitwirkungen politischer Maßnahmen wie z. B. Direktzahlungen (einschließlich cross-compliance), Ausgleichszulage, Agrarumweltmaßnahmen, Umweltrecht und Marktordnungsmaßnahmen sowie von Produkt- und Produktionsstandards.
- Untersuchungen zum Aufkommen von Holz und Agrarbiomasse, zur Mobilisierung von Nutzungs- und Produktionsreserven sowie zur Steigerung der Verwendung von Holz und Agrarrohstoffen einschließlich neuer Produktionsverfahren und Produkte.
- Analyse und Bewertung der Auswirkungen steigender stofflicher und energetischer Nutzung Nachwachsender Rohstoffe sowie von entsprechenden Fördermaßnahmen auf den Lebens- und Futtermittelmarkt und die Konkurrenz stofflicher und energetischer Nutzungen.
- Untersuchungen zu betriebswirtschaftlichen Fragen in der Land-, Gartenbau-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft.
- Untersuchungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie zur beruflichen Qualifikation im Agrarbereich.
- Untersuchungen zur Situation und Sicherstellung der Welternährung.
Zusatzinformationen
Forschungsfelder
Ernährung
Landwirtschaft
- Nachhaltige Land-, Gartenbau-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft; Erschließung des Potenzials nachwachsender Rohstoffe
- Perspektiven für ländliche Räume
- Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel
Verbraucherschutz
- Gesundheitlicher Verbraucherschutz durch Verbesserung der Lebensmittel- und Produktsicherheit; Bekämpfung von Zoonosen
- Sicherung und Verbesserung der Produkt- und Prozessqualität bei Lebensmitteln, Futtermitteln und anderen Produkten
- Wirtschaftlicher Verbraucherschutz; Verbesserung der Informationsmöglichkeiten für Verbraucher