ForschungsReport 2008-2
Hunger - ein vielschichtiges Problem
Die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise und ihre Auswirkungen auf die Welternährungssituation
Martina Brockmeier und Rainer Klepper (Braunschweig)
Anfang 2007 ging die Bevölkerung in Mexiko auf die Straße, als sich die Preise für das zur Tortillaherstellung verwendete Maismehl innerhalb weniger Wochen verdoppelten. Erst staatliche Eingriffe mit der Festlegung von Obergrenzen für die Tortillapreise konnten die Bevölkerung beruhigen. Auch in vielen anderen Ländern gab und gibt es Unruhen wegen stark gestiegener Lebensmittelpreise, so in Ägypten, Indien, Indonesien und Haiti. Am härtesten trifft es dabei die Ärmsten der Armen. 2,7 Milliarden Personen – fast 40 % der Weltbevölkerung – leben von weniger als 2 US-$ am Tag, die bei den aktuellen Nahrungsmittelpreisen kaum mehr zum Leben ausreichen. Der folgende Beitrag geht der Frage nach, welche Auswirkungen die Preisanstiege für Lebensmittel für die Welternährungssituation hat, wo mögliche Ursachen liegen und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Lage zu entschärfen.
Schwarzrost bedroht Weizenproduktion in Äthiopien
Virulenzanalysen und Resistenzzüchtung als Beitrag zur Ernährungssicherung
Belayneh Admassu Yimer und Frank Ordon (Quedlinburg)
Weizen ist mit einer weltweiten Anbaufläche von 217,5 Millionen Hektar und einer Erntemenge von ca. 607 Millionen Tonnen im Jahr 2007 die für die menschliche Ernährung bedeutendste Kulturpflanze. In den wärmeren Anbaugebieten der Erde stellt der Schwarzrost (Puccinia graminis f. sp. tritici) eine erhebliche Gefahr für die Weizenproduktion und damit für die Sicherung der Ernährung dar.
Aquakultur: bedeutend für die Welternährung
Die Produktion aquatischer Organismen hat in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung genommen
Volker Hilge (Ahrensburg) und Reinhold Hanel (Hamburg)
Die Aquakultur ist im globalen Maßstab der am schnellsten wachsende Nahrungsmittelproduzierende Sektor. Er stellt mit über 50 Millionen Tonnen etwa die Hälfte des Angebots an Konsumfisch zur Verfügung. Um den Bedarf der wachsenden Weltbevölkerung bei gleich bleibendem Pro-Kopfverbrauch zu befriedigen, muss die Aquakultur ihre Produktion bis 2030 massiv weiter steigern.
Mehr Milch und Fleisch für die Welt …
… wie ist das zu schaffen?
Gerhard Flachowsky, Sven Dänicke, Peter Lebzien und Ulrich Meyer (Braunschweig)
Die Erdbevölkerung wird bis zum Jahr 2050 voraussichtlich von derzeit 6,5 auf rund 9,0 Milliarden Menschen ansteigen. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen wird sich aber die Nachfrage nach Lebensmitteln tierischer Herkunft in dieser Zeit annähernd verdoppeln. Als wesentliche Ursachen für diesen überproportionalen Anstieg werden die erhöhten Einkommen in Schwellen- und Entwicklungsländern sowie der hohe Genusswert von Fleisch, Milch und Eiern angesehen.
Nimmt uns die Getreideverbrennung das tägliche Brot?
Eine Datenanalyse zu Getreideernten und -verbräuchen
Meinolf G. Lindhauer (Detmold)
Geht der Welt das Getreide aus? „Getreide für den Tank stürzt immer mehr arme Länder in Hungersnöte“ – „Energiegewinnung treibt die Brotpreise in die Höhe“ – Solche und ähnliche Schlagzeilen beherrschten die öffentliche Wahrnehmung zum Ende des Jahres 2007 bis in den Sommer 2008. Was war geschehen?
Mikroorganismen als natürliche Helfer für den Pflanzenbau
Auf der Suche nach biologischen Agenzien zur Förderung der Pflanzengesundheit
Philipp Franken, Diana Andrade und Rita Grosch (Großbeeren)
Wenn man bedenkt, dass Pflanzen permanent Insekten, Pilzen, Bakterien und Viren ausgesetzt sind, die nichts anderes im Sinn haben, als von ihnen zu leben, mag man sich wundern, dass es überhaupt noch Pflanzen gibt. Unsere Kulturpflanzen können von mehr als 100 Krankheiten betroffen sein. Im Laufe der Evolution haben sie sich ein erfolgreiches natürliches Abwehrsystem
zugelegt, so dass die meisten Krankheitserreger einer Pflanze nichts anhaben können. Die Empfindlichkeit gegenüber einem Schadorganismus stellt eher die Ausnahme dar. Außerdem werden Pflanzen auch von Nutzorganismen besiedelt, die der Pflanze bei der Abwehr helfen können.
Neue Fischarten auf dem deutschen Markt
Mehr Vielfalt für den Verbraucher
Horst Karl, Carsten Meyer, Hartmut Rehbein, Ines Lehmann und Reinhard Schubring (Hamburg)
In den deutschen Fischtheken vollzieht sich zurzeit ein interessanter Wandel. War das Angebot vor zehn Jahren meist auf die typischen traditionellen Fischarten aus dem Nordatlantik und auf Forellen und Karpfen aus der heimischen Aquakultur beschränkt, findet man heute neben Rotbarsch, Kabeljau oder Hering auch zunehmend Fische aus dem Mittelmeerraum, aus Afrika und asiatischen Ländern in den Auslagen. Gleiches gilt für das Angebot in vielen Restaurants. Doraden, Wolfsbarsch und Streifenbarbe vom Mittelmeer, Victoriasee-Barsch aus Afrika oder Pangasius aus der Aquakultur in Vietnam gehören inzwischen zum festen Bestandteil der Speisekarten.
Kleine Mücke, große Wirkung
Die Blauzungenkrankheit: eine neue Tierseuche in Mitteleuropa
Doreen Werner (Müncheberg) und Franz J. Conraths (Wusterhausen)
Optisch machen sie nicht viel her mit ihrer Größe von 0,5 bis 5 mm. Das erklärt vielleicht, dass Gnitzen, regional auch Gnitten genannt, wissenschaflich noch sehr wenig untersucht wurden, obwohl sie nahezu weltweit verbreitet sind, viele blutsaugende Arten enthalten und häufig in hoher Dichte auftreten. Fast jeder ist mit diesen lästigen Mücken schon in Berührung gekommen. Ihr Massenauftreten kann sowohl die Land- und Forstwirtschaft als auch den Tourismus stark behindern. Doch erst der überraschende, erstmalige Ausbruch der Blauzungenkrankheit 2006 in Mitteleuropa rückte diese unscheinbaren Insekten als Krankheitsüberträger auch in unseren Breiten verstärkt in das Interesse von Wissenschaftlern verschiedenster Fachrichtungen, wie der Veterinärmedizin, der Epidemiologie, Virologie, Entomologie und Limnologie.
Sensoren in der Frischekette
Sensoren sichern Qualität und Sicherheit bei Obst und Gemüse
Helene Foltan, Antje Fröhling und Christiane von Haselberg (Potsdam)
Bevor der knackige Salat auf dem Teller liegt und uns genüsslichen Verzehr verspricht, hat er meist schon einiges durchlebt. Von der Ernte über die Reinigung und Sortierung bis zum Transport sind zahlreiche Be- und Verarbeitungsschritte erforderlich. An verschiedenen Stellen kann es hier zu Qualitätseinbußen kommen. Neu entwickelte Sensoren sollen dazu beitragen, kritische Punkte zu überwachen und die Produktqualität von Obst und Gemüse zu verbessern.
Mit Fachwissen und Improvisationstalent in den Busch
Tierkrankheiten machen nicht an Grenzen halt
Michael Welling (Braunschweig), Wolfgang Böhle, Anja Globig, Detlef Höreth-Böntgen und Manfred Tanner, (Insel Riems)
Die Luft flimmert über der geflickten Startbahn von Juba, Südsudan. Ohne jegliches Anzeichen eines geordneten Einsteigeverfahrens werden wir über eine Treppe in den Flieger, eine ehemalige russische Militärmaschine, gedrängt. Es riecht nach Schweiß. Die Fenster sind abgedunkelt und die Sitze müssen erst umgeklappt werden, damit man Platz nehmen kann. Ein ganz eigener Standard eben – nicht besonders vertrauenserweckend, aber typisch für viele Entwicklungsländer. Nach drei Wochen Feldeinsatz bei 40 °C im Schatten geht es jetzt zurück nach Khartum und dann wieder nach Hause ins kühle, heimische Deutschland. Aber jetzt erst einmal alles der Reihe nach.
Senat der Bundesforschungsinstitute
Michael Welling (Braunschweig)
Der Forschungsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hat seit Beginn des Jahres 2008 eine neue Struktur. Die sieben bislang bestehenden Bundesforschungsanstalten sind zu vier Bundesforschungsinstituten zusammengefasst worden. Ziel war es, die Einrichtungen fachlich und organisatorisch optimal am Entscheidungshilfebedarf des Ministeriums auszurichten. Im Zuge der Reorganisation hat auch der Senat, das einrichtungsübergreifene Koordinationsgremium des Forschungsbereichs, eine neue personelle Zusammensetzung und neue Aufgabenfelder erhalten.
Schlaglichter
Julius Kühn-Institut: Biotechnologische Zuchtmethoden für Äpfel - Internationales Symposium in Dresden
Bundesinstitut für Risikobewertung: Hautmodelle statt Kaninchen - Tierversuchsfreie Methode zur Prüfung der hautreizenden Wirkung von Stoffen
Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere: Neue Herausforderungen für die Schweinezucht
Friedrich-Loeffler-Institut: Neubau auf der Insel
Friedrich-Loeffler-Institut und Bundesinstitut für Risikobewertung: Empfehlung: Keine Fütterung von Wiederkäuern mit Wiederkäuerfetten
Julius Kühn-Institut: Erhalt von Brachenteilflächen sichert Artenvielfalt - Weniger Vogelarten durch Rückgang der Brachen
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa: Landwirtschaftliche Mega-Unternehmen expandieren
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa: Leibniz-Nachwuchspreis geht nach Halle - Arbeit über ländliche Haushalte in China prämiert
Max Rubner-Institut: DNA-Chip schützt vor Pilzgift - Forschungspreis für MRI-Forscher
Leibniz-Institute: Förderempfehlungen zu 13 Leibniz-Einrichtungen verabschiedet
Johann Heinrich von Thünen-Institut: Landwirtschaftliche Krankenversicherung zunehmend vom Strukturwandel belastet
Johann Heinrich von Thünen-Institut: Axel Munack Ehrenpräsident der CIGR
