ForschungsReport 2008-1
Essen in Deutschland
Marianne Eisinger-Watzl (Karlsruhe)
Jeder fünfte Deutsche weist ein stark erhöhtes Körpergewicht auf und hat damit ein höheres Risiko, ein gutes Stück Lebensqualität wegen Krankheit aufgeben zu müssen. Mit der Veröffentlichung des ersten Berichtes zur Nationalen Verzehrsstudie II wurden nicht nur in Bezug auf das Übergewicht der Deutschen aktuelle Zahlen bekannt gegeben. Die NVS II gibt auch darüber Auskunft, welches Ernährungswissen vorliegt, in welchem Alter am besten gekocht wird, wer wo am häufigsten einkaufen geht und welche Bedeutung bei alledem die Bildung und die Schichtzugehörigkeit haben.
Unsere Wälder nachhaltig nutzen
Heino Polley (Eberswalde), Johannes Welling und Jan Lüdtke (Hamburg), Michael Welling (Braunschweig)
In einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Gesellschaft sind nachwachsende Rohstoffe von zentraler Bedeutung. Einer der wichtigsten und zugleich vielseitig verwendbaren nachwachsenden Rohstoffe ist das Holz. In den letzten 15 Jahren ist der Holzvorrat in den deutschen Wäldern um 700 Millionen Kubikmeter gewachsen. Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt im Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, ist die bestmögliche Erschließung des Rohstoffs Holz als ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Rohstoffversorgung Deutschlands.
Tiergesundheit geht auch den Menschen an
Beispiel „Vogelgrippe“
Thomas C. Mettenleiter und Elke Reinking (Insel Riems)
Wenn bei landwirtschaftlichen Nutztieren Tierseuchen wie Schweinepest oder Maul- und Klauenseuche ausbrechen, erfahren die Halter dramatische wirtschaftliche Verluste. Vom Tier auf den Menschen übertragbare Krankheiten wie BSE oder Geflügelpest („Vogelgrippe“) – so genannte Zoonosen – stellen aber auch ein direktes Gesundheitsrisiko für den Menschen dar. Das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, erforscht sowohl klassische Tierseuchen als auch Zoonosen und trägt so dazu bei, sie bekämpfen oder gar verhindern zu können.
Moderne Methoden für gesunde Pflanzen und sichere Produkte
Mykotoxine erkennen und verhindern
Georg F. Backhaus (Quedlinburg) und Cordula Gattermann (Braunschweig)
Ernährungs- und Qualitätsbewusstsein der Verbraucher sind in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Die Verbraucher erwarten mit Recht pflanzliche Nahrungsmittel in hoher Qualität und ohne gesundheitlich bedenkliche Rückstände an Giftstoffen anthropogenen oder natürlichen Ursprungs. Zu den natürlich gebildeten Stoffen, die bei ihrer Aufnahme durch die Nahrung erhebliche gesundheitliche Risiken für die Gesundheit von Menschen und Tieren haben können, gehören giftige Stoffwechselprodukte pilzlicher Schadorganismen an Pflanzen, die Mykotoxine.
Zwischen Abwanderung und regionalem Engagement
Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen
Heinrich Becker und Andrea Moser (Braunschweig)
Die Entwicklung in den sehr verschiedenartigen ländlichen Räumen Deutschlands hängt nebenden allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Politikmaßnahmen stark von den Einstellungen der Akteure und der Bevölkerung in der jeweils konkreten Region ab. Diese wiederum werden wesentlich durch die tatsächlichen oder wahrgenommenen Lebensverhältnisse beeinflusst. Sie zu kennen ist eine wichtige Voraussetzung, um Politikmaßnahmen zur Entwicklung ländlicher Räume zielgerichtet konzipieren zu können. Das Institut für Ländliche Räume des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) führt daher umfangreiche empirische Studien zu den Lebensverhältnissen in ländlichen Räumen durch.
Der Wurzelbildung auf der Spur
Ein integrierter Forschungsansatz zur Förderung der Jungpflanzenproduktion
Uwe Drüge, Klaus-Thomas Hänsch, und Yvonne Klopotek (Erfurt), Philipp Franken (Großbeeren), Sandra Lischewski und Bettina Hause (Halle), Amir-Hossein Ahkami und Mohammad-Reza Hajirezaei (Gatersleben)
Sobald die ersten wärmenden Sonnenstrahlen den Sommer nur erahnen lassen, strömen Millionen von Pflanzenliebhabern in die Geschäfte, um sich mit Beet- und Balkonpflanzen zu versorgen. Nur wenigen ist bekannt, mit welchem technologischen und logistischen Aufwand diese Pflanzen produziert werden. Etwa fünfzig Prozent der Zierpflanzen (Jahresumsatz in Deutschland ca. 6,5 Mrd. Euro) werden vegetativ über die Bewurzelung von Stecklingen vermehrt. Insbesondere wenn die Stecklinge an das Klima ferner Produktionsstandorte angepasst sind und vor der Bewurzelung um den halben Globus transportiert werden, ist die Bewurzelung unzureichend. Ein multidisziplinärer Forschungsansatz zu den molekularphysiologischen Grundlagen der Wurzelbildung soll neue Ansatzpunkte schaffen, um solchen Problemen besser begegnen zu können.
Mit HighTech zur Eutergesundheit
Forschungsverbünde untersuchen immunologische Schutzmechanismen des Euters des Rindes und deren genetische Grundlagen
Hans-Martin Seyfert, Christa Kühn und Manfred Schwerin (Dummerstorf)
Entzündungen des Euters (Mastitis) sind seit Jahrzehnten die häufigste und teuerste Krankheitsursache beim Milchrind. Zwei unterschiedliche deutsche Forschungsnetze, die beide vom Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) koordiniert werden, suchen nach neuen Lösungswegen aus dieser Problematik.
Hohe Agrarpreise: Traum oder Alptraum für die Landwirtschaft?
Alfons Balmann und Franziska Appel (Halle)
Die aktuelle Entwicklung der Agrarpreise lässt Spekulationen aufkommen, etwa ob es sich um ein temporäres Phänomen handelt oder ob sich die Bedingungen auf den Agrarmärkten grundlegend verändert haben. Der folgende Beitrag geht der Frage nach, was es eigentlich für die deutsche Landwirtschaft bedeuten würde, wenn für einige Jahre oder sogar langfristig von deutlich höheren Agrarpreisen auszugehen wäre.
Deutschland ist tollwutfrei!
Erfolgreiche Tierseuchenbekämpfung im Wildtierbereich
Conrad Freuling, Thomas Selhorst, Anke Kliemt, Franz J. Conraths und Thomas Müller (Wusterhausen)
Was lange währt, wird endlich gut: Nach genau 25 Jahren werden im Frühjahr 2008 zum letzten Mal Fuchsköder im Rahmen der Tollwutbekämpfung in einem ca. 10 000 Quadratkilometer großen Impfgebiet im Südwesten Deutschlands ausgelegt. Dabei ist bei vielen Menschen in Deutschland der Begriff Tollwut nach wie vor mit dem Rotfuchs assoziiert und erzeugt auch heute immer noch Unbehagen, wohl wissend, dass diese vom Tier auf den Menschen übertragbare Viruserkrankung immer tödlich verläuft. Der Rotfuchs war für die Erhaltung und Ausbreitung der Seuche verantwortlich und verursachte regelmäßig Infektionen bei Haustieren und gelegentlich auch beim Menschen. Die Betonung dabei liegt auf „war“, denn der letzte Tollwutfall wurde vor mehr als zwei Jahren, am 3. Februar 2006, diagnostiziert. Nie zuvor in seiner langen Geschichte war Deutschland über einen so langen Zeitraum ohne Fall von klassischer Tollwut. Damit erfüllt es wie bereits unsere westlichen und südlichen Nachbarländer die internationalen Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) für die Tollwutfreiheit und steht unmittelbar vor der Tilgung dieser Krankheit.
Neu formierter Forschungsbereich
Seit 1. Januar 2008 hat der Forschungsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) ein neues Gesicht. Die bisher sieben Bundesforschungsanstalten wurden zu vier Bundesforschungsinstituten zusammengeführt. Die neuen Einrichtungen sind nach Wissenschaftlern benannt, die für das jeweilige Forschungsgebiet Herausragendes geleistet haben.
