ForschungsReport 2007-1
Probiotika – nur ein Werbegag?
Michael de Vrese und Jürgen Schrezenmeir (Kiel)
Probiotische Milchprodukte stehen seit mittlerweile fast 20 Jahren in Deutschland in den Kühlregalen der Supermärkte. Dennoch können Probiotika – wie die gemeinsame Bezeichnung für gesundheitsfördernde Mikroorganismen und die mit ihnen hergestellten Lebensmittel lautet – nach wie vor die Gemüter erhitzen. Für die einen sind Probiotika funktionelle Lebensmittel im besten Sinne des Wortes, die zu Erhalt und Förderung der Gesundheit beitragen können, für die anderen sind sie eine Werbemasche der Lebensmittelindustrie, um überteuerte Lebensmittel an den Kunden zu bringen.
Health Claims – Was bedeutet das?
Eine neue Verordnung soll die Glaubwürdigkeit von gesundheitsbezogenen Werbeaussagen bei funktionellen Lebensmitteln verbessern
Rolf Großklaus (Berlin)
Wozu angereicherte Lebensmittel dienen sollen, ist längst nicht allen Verbrauchern klar. Andere wiederum bezweifeln, dass sich probiotische Milchgetränke und andere so genannte funktionelle Lebensmittel wirklich positiv auf die Gesundheit auswirken. Das sind die beiden größten Hürden für den Kauf solcher Produkte.
Fette der besonderen Art
Bertrand Matthäus und Nikolaus Weber (Münster)
Fett ist Gift für die Traumfigur. So wird es oftmals suggeriert. Doch diese Betrachtungsweise greift zu kurz. Zum einen sind Fette notwendige Energielieferanten für den Körper, zum anderen spielen sie eine wichtige Rolle als Geschmacksträger. Darüber hinaus stehen bestimmte Fettbestandteile, zum Beispiel die Omega-3-Fettsäuren, auch in dem Ruf, sich positiv auf die Gesundheit auszuwirken. Grund genug, sich etwas genauer mit den Fetten in Lebensmitteln zu beschäftigen.
Obst, Gemüse und Gewürze - Quelle natürlicher Wirkstoffe
Maria Pfeuffer und Jürgen Schrezenmeir (Kiel)
Obst und Gemüse sind gesund. Das weiß jedes Kind. Sie liefern reichlich Mineralstoffe, Vitamine und Ballaststoffe und sind (überwiegend) kalorienarm. In den letzten Jahren sind die so genannten sekundären Pflanzeninhaltsstoffe ins Zentrum des Interesses gerückt. Im Gegensatz zu Vitaminen und anderen essenziellen Nährstoffen, auf deren Zufuhr der menschliche Organismus angewiesen ist, haben diese Stoffe keinen Nährwert und keine nachgewiesene „essenzielle“ Funktion. Dafür scheinen sie eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf verschiedene – auch gesundheitsrelevante – Körperfunktionen zu haben.
Rohkost oder „Designer-Essen“?
Funktionelle Gemüse- und Obstprodukte
Esther Mayer-Miebach (Karlsruhe)
Eine ganze Reihe von Lebensmittelinhaltsstoffen, denen heute eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben wird, ist in vielfältigen Kombinationen in zahlreichen Gemüse- und Obstarten enthalten. Einige dieser gesundheitsfördernden „sekundären Pflanzenstoffe“ werden aber bei Verzehr von Rohkost größtenteils wieder ausgeschieden, ohne ihre positiven Wirkungen zu entfalten. An der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL) in Karlsruhe konnte beispielhaft an Möhren gezeigt werden, dass schon einfache Zubereitungsmethoden ausreichen, um fast das 10-fache des gesundheitsfördernden Carotinoids Lycopin aufzunehmen. Die gute Nachricht: Jeder Verbraucher kann ein solches „funktionelles Gemüseprodukt“ in seiner eigenen Küche herstellen.
Milch, Fleisch, Eier
Kann durch die Tierernährung die Zusammensetzung beeinflusst werden?
Gerhard Flachowsky (Braunschweig)
Lebensmittel pflanzlicher und tierischer Herkunft enthalten die lebensnotwendigen Nährstoffe in unterschiedlichem Umfang. Durch ausgewogenes und abwechslungsreiches Essen, zum Beispiel entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), kann der Mensch seinen Bedarf gemäß seiner körperlichen Beanspruchung und seinem physiologischem Stadium (z.B. Schwangerschaft, Stillzeit) meist decken. Weitere Möglichkeiten, vorhandene oder „gefühlte“ Defizite zu beseitigen, bieten funktionelle Lebensmittel. Am Institut für Tierernährung der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) befasst man sich mit der Frage, wie und in welchem Umfang sich Inhaltsstoffe in Lebensmitteln tierischer Herkunft bereits durch die Fütterung der Nutztiere beeinflussen lassen.
Funktionelle Fleisch-Erzeugnisse
Siegfried Münch, Wolf-Dietrich Müller, Peter Nitsch, Lothar Kröckel und Klaus Troeger (Kulmbach)
Funktionelle Lebensmittel haben vor allem in den Bereichen Molkereiprodukte, Cerealien/Backwaren und Getränke eine beachtliche Bedeutung erlangt. Der Sektor Fleisch- und Wurstwaren hat hier bislang relativ wenig zu bieten. Dennoch besteht auch in diesem Lebensmittelsegment ein erhebliches Potenzial. Durch die Entwicklung und Vermarktung innovativer funktioneller Fleischerzeugnisse kann dem Trend zu gesundheitsfördernden Produkten bzw. Wellness-Erzeugnissen Rechnung getragen werden.
Fisch und Muscheln - Natürliche funktionelle Lebensmittel
Reinhard Schubring und Hartmut Rehbein (Hamburg)
Fischerei-Erzeugnisse wie Seefisch und Muscheln sind weitgehend naturbelassen und besitzen einen hohen gesundheitlichen Wert. Es ist daher nicht zwingend notwendig, ihnen „funktionelle“ Bestandteile hinzuzufügen. Wichtig ist vielmehr, dass die positiven ernährungsphysiologischen Eigenschaften ihrer Bestandteile während der Verarbeitung, das heißt auf dem Weg vom Fang bis auf den Tisch, erhalten bleiben.
Wellness-Brote – Ein Mehr an Brot?
Meinolf G. Lindhauer (Detmold)
Umfragen bestätigen es immer wieder: Im Bewusstsein der Bevölkerung ist fest verankert, dass Brot – und mehr verallgemeinert – Getreide und Getreideprodukte gut für eine gesunde Ernährung sind. Auch ist den Konsumenten durchaus klar, dass dies in vollem Unfang für Vollkornprodukte gilt, also Produkte, die sämtliche Bestandteile des Korns enthalten, und es weniger zutrifft für Lebensmittel aus Getreide, die aus hellen, das heißt weniger ausgemahlenen Mehlen hergestellt sind.
Personalisierte Ernährung
Maßgeschneiderte Ernährung oder Allerweltskost?
Ina Kraus-Stojanowic und Jürgen Schrezenmeir (Kiel)
Menschen sind verschieden. Das bezieht sich sowohl auf augenscheinliche Eigenschaften wie Haarfarbe, Größe, Statur, als auch auf die Fähigkeit, Sprachen zu erlernen, mit komplexen Sachverhalten umzugehen oder emotionale Beziehungen aufzubauen. Wie immer sind hier die beiden Faktoren Genetik und Umwelt in unterschiedlichem Maße beteiligt. Das gilt auch für den Körperbau: Wir beneiden Menschen, die scheinbar essen können, was sie wollen, ohne zuzunehmen, während viele nur mit Mühe ihr Gewicht halten oder stetig zunehmen. Neben dem individuellen Ernährungsverhalten hat dies auch eine Ursache in unserer Genetik.
Zecken auf dem Vormarsch
Jochen Süss und Christine Klaus (Jena)
Nach Spaziergängen durch Wald und Wiese tauchen mitunter ungewollte Mitbringsel am Körper oder in der Kleidung auf – Zecken. Diese zu den spinnenartigen Tieren zählenden Parasiten können Krankheiten wie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Lyme-Borreliose auf den Menschen übertragen. Das Risiko einer durch Zecken übertragenen Erkrankung und die gesundheitlichen Folgen für die Patienten sind lange Zeit unterschätzt worden.
Euterschonende Melktechnik entlastet Tier und Mensch
Sandra Rose, Martina Jakob und Reiner Brunsch (Potsdam)
Die Qualität des Lebensmittels Milch hängt wesentlich von der Gesundheit des Kuheuters ab. Einen wichtigen Einfluss auf die Eutergesundheit hat die Melktechnik, vor allem die korrekte Positionierung des Melkzeuges bei verschieden geformten Eutern. Durch zu starke Beanspruchung kann es zu Euterentzündungen (Mastitis) kommen. Insbesondere Hochleistungskühe, die täglich bis zu dreimal gemolken werden, sind sehr empfindliche Individuen. Unter diesen Voraussetzungen ist eine gut funktionierende und dem Tier angepasste Melktechnik unerlässlich.
An der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis
Verbundprojekt zum Nützlingseinsatz profitiert von vorbildlicher Koordination
Iris Lehmann (Bonn), Ellen Richter und Michael Welling (Braunschweig)
Nicht immer verderben viele Köche den Brei: Bei dem Verbundprojekt „Nützlingseinsatz im Gartenbau“ haben alle Beteiligten in den Einzelprojekten von den Erfahrungen der anderen profitiert. Entscheidend für den Erfolg war eine gute Koordination der Projekte.
Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel
100 Jahre staatliche Getreideforschung
In diesem Jahr kann die staatliche Getreideforschung in Deutschland auf ein hundertjähriges Bestehen zurückblicken. Heute steht der Standort Detmold der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (BfEL) in dieser Tradition.
Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen
Die rebengenetischen Ressourcen in Deutschland
Reinhard Töpfer und Erika Maul (Siebeldingen)
Mit über 2.500 Rebsorten zählt die Sammlung rebengenetischer Ressourcen am Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen (Pfalz) weltweit zu den größten ihrer Art. Das Verhalten der Reben gegenüber Schaderregern wie auch die Weinqualität werden über viele Jahre erfasst und liefern dadurch ein gutes Bild über die Leistungsfähigkeit der Pflanzen. Die Daten stehen für eine künftige Nutzung zur Verfügung und fließen in das Zuchtprogramm des Instituts ein.
